Zeitraffer Filme oder auch Timelapse genannt sind Videos die aus einzelnen Fotos bestehen die in einem festgelegtem Intervall aufgenommen werden. Ich nutze für meine Szenen 30 Einzelbilder um daraus eine Sekunde Video zu rendern.
Das Intervall, also die Zeit zwischen den einzelnen Fotos wird von der Szene bestimmt. Bei langsam ziehenden Wolken reichen 5 Sekunden zwischen den Fotos. Bei belebten Plätzen nehme ich meistens einen Intervall von 1-3 Sekunden. Die Belichtungszeit ist dabei immer halb so lang wie die Intervallzeit.
Bei manchen Szenen, z.b. bei Nachtaufnahmen vom Sternenhimmel nutze ich eine Belichtungszeit von 15-30 Sekunden und einen Intervall von einer Minute.

Um genug Material beim Schnitt zu haben, sollten die Szenen ca. 10 Sekunden lang sein. Bei einem Intervall von typischen 3 Sekunden und 300 Fotos die ich pro Szene aufnehme brauch ich 15 Minuten Aufnahmezeit. Bei den Nachtszenen und einem Intervall von einer Minute stand ich ca. 5 Stunden alleine auf einem verlassenem Feld am Deister und das für nur eine Szene von 10 Sekunden.

Warum Fotos und kein Video?

Zum einen hat man direkt bei der Aufnahme wesentlich mehr Möglichkeiten die Bilder so aufzunehmen wie man es gerne hätte. Und zum anderen bietet die nachträgliche Verarbeitung der RAW Daten erheblich mehr Möglichkeiten die Szene schöner und Interessanter darzustellen als das mit einem fertigen Video der Fall wäre!

Aufnahmetechnik

Was braucht man zur Aufnahme einer Timelapse Szene? Eigentlich funktioniert das mit jeder beliebigen Kamera bei der man einen Intervall einstellen kann. Das kann eine Spiegelreflex, Kompaktkamera oder auch eine Aktion Cam wie die GoPro sein. Wenn die Kamera keine Intervall Funktion hat, tut es auch ein externer Timer für 20-30€ den es für die meisten DSLR gibt. Für die meisten Canon Kameras gibt es die Firmeware Erweiterung Magic Lantern, die nachträglich eine Intervall Funktion und jede Menge andere nützliche Features bietet.
Dann ist das Stativ extrem wichtig. Ich hatte es am Anfang mit den billig Hama Dingern für 20€ versucht. Aber als dann das zweite innerhalb weniger Monate kaputt gegangen ist, hab ich mir eins aus leichtem Metal geholt, was einen wesentlich besseren Stand hat.

Timelapse Fotografie unterscheidet sich in einigen Parametern schon von der normalen Fotografie. Würde man Nachts ein normales Foto mit Blende 8-11 und einer Belichtungszeit von 30-60 Sekunden aufnehmen, funktioniert das beim Timelapse nicht, wenn ich einen Intervall von 3 Sekunden haben möchte. Daher muss man leider die Blende weiter öffnen um genug Licht auf das Foto zu bekommen und mit dem ISO weiter hochgehen was bei kleineren Canon Kameras leider schon ab ISO400-800 teilweise starkes Rauschen auf das Bild bringt. Eine Vollformat Kamera mit einem lichtstarkem L Objektiv schafft hier abhilfe.

Slider

Um die Szenen wesentlich Interessanter zu gestalten nutze ich einen Kamera Slider. Einen Nic-O-Silder von Nico Engel. Dieser kostengünstiger Slider kommt mit einer sehr einfach zu bedienenden Steuerung, ist sehr leicht und vielseitig einsetzbar. Die Kamera bewegt sich dabei in einem definiertem Intervall auf dem Schlitten. Nach jeder Bewegung wird über die Steuerung der Auslöser betätigt und gewartet bis die eingestellt Belichtungszeit abgelaufen ist. Danach fährt der Schlitten weiter. Durch die Verschiebung des Vordergrundes vor dem Hintergrund entsteht ein sehr schöner 3D Effekt der die Szene noch lebendiger macht im Gegensatz zu einem reinem digitalem Verschieben oder einem Zoom innerhalb der Fotos.

Postprocessing

Mit der reinen Aufnahme der Fotos ist erst mal nur die Hälfte der Arbeit getan. Die Fotos müssen ja noch irgendwie zu einem Video zusammen gebastelt werden. Es gibt dabei mehrere Wege. Der für mich schnellste Weg ist mit Adobe Lightroom und LRTtimelapse.
In Lightroom werden die Fotos eingeladen und bearbeitet. Will man an einer Szene nicht viel bearbeiten reicht es ein Foto zu bearbeiten und diese Einstellungen dann auf alle Bilder mit einem Klick zu übertragen. Bei meinem aktuellem Film habe ich bei 90% der Szenen aber die Fotos unterschiedlich bearbeiten müssen. Z.b. bei einem Sonnenauf oder Untergang ändert sich die Helligkeit der Szene. Von relativ dunkel bis extrem Hell. So muss während der Szene die Belichtungszeit oder das ISO angepasst werden. Bei den Rohbildern sieht man das dann sehr deutlich an einem Helligkeitssprung. Um jetzt nicht alle 300 Fotos einer Szene von Hand korrigieren zu müssen gibt es die Softwas LRTimelapse vom Timelapse Guru Gunther Wegener. So muss in Lightroom nur das erste und das letzte Foto angepasst werden in der die Helligkeitsänderung stattfand, den Rest erledigt LRTimelapse. Aber auch Zooms und Schwenks innerhalb eines Fotos lassen sich so extrem schnell verwirklichen.

Gunther hat zu dem Thema ein wundervolles Ebook geschrieben. Absolut empfehlenswert!
Um da jetzt nicht so sehr ins Details zu gehen, hier der Artikel von Gunther und Paddy, der mich überhaupt auf das Timelapse Thema gebraucht hat und den Grundstein für meine ersten Versuche gelegt hat. Vielen Dank an Gunter und Paddy!!

Workshop

Wenn ihr Fotograf seid noch mehr über das Thema lernen wollt, dann seid ihr herzlich zu einem der Workshops zu dem Thema eingeladen. Alles weitere erfahrt ihr hier.